Neustraße 35
Rosalie Moses
Bertha, Johanna und Max Moses
Hugo Moses
Rosalie Amalie Moses kam 1855 als ältestes Kind der Eheleute Moses Sutheim und Fanny, geborene Löwenbaum in Brakel/Kreis Höxter zur Welt. Ihre Eltern zogen 1857 nach Essen. Sie hatte noch sechs Geschwister. Am 22.5.1885 heiratete Rosalie in Essen den Lederfabrikanten Benno Moses aus Dinslaken und zog mit ihm in seine Heimatstadt. Sohn Max wurde dort 1890 geboren, Sohn Hugo 1891. Rosalie Moses war in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins in Dinslaken. Benno Moses verstarb 1926 in Dinslaken. Seine Söhne führten das elterliche Lederwarengeschäft weiter.
Bertha Moses, geborene Leven, stammte aus einer Dürener Familie und wurde dort 1899 geboren. Ihre Eltern waren der „Güter- und Immobilienmakler“ Hermann Leven und Sara, geborene Heimann aus Krauthausen bei Düren. Sie hatte noch drei Geschwister: Karl, geboren 1895, Johanna, geboren 1896 und Alfred, geboren 1902. Karl Leven wurde Kinderarzt in Düren.
Bertha und Max heiraten im Mai 1931. Ihr erstes Kind, nach dem Großvater väterlicherseits Benno genannt, wurde 1934 geboren und starb bereits als Säugling. Am 20.4.1935 kam Tochter Johanna in Dinslaken zur Welt.
Am Morgen des 10. 11. 1938 wurden Max Moses und sein Schwager Alfred Leven von der Dinslakener Ordnungspolizei verhaftet, zunächst in Polizeigewahrsam genommen und später in einer Gefängniszelle des Amtsgerichts Dinslaken mit 5 weiteren Männern der jüdischen Gemeinde inhaftiert. Dort wurden sie schwer misshandelt. Am 16. 11. fand ein Abtransport der Dinslakener Juden mit anderen Juden aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf nach Dachau statt, wo die Männer am 17. 11. eintrafen. Max bekam von der Kommandantur des Konzentrationslagers die Häftlingsnummer 29978, sein Schwager Alfred die Nummer 29979. Max Moses wurde am 15.12.1938 aus Dachau entlassen, sein Schwager am 10.1.1939. Seine Mutter Rosalie war zwei Wochen nach dem Pogrom am 25. 11. 1938 in Dinslaken verstorben. Die 83jährige Frau war den schrecklichen Ereignissen vom 10. 11. 1938 und den darauffolgenden Tagen offenkundig nicht gewachsen.
Hugo Moses war am 15. 4. 1937 nach Venlo geflohen, wo bereits seit Dezember 1935 seine Nichte Johanna bei Verwandten wohnte. Er heiratete dort die Witwe Emilie Goudsmith, geborene Gottschalk aus Geilenkirchen. Emilie Moses starb am 5. 5. 1942 in Venlo. Hugo Moses wurde von Westerbork aus am 7.09.1943 nach Auschwitz deportiert. Hugos Moses wurde nach seiner Ankunft in Auschwitz ermordet.
Nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager Dachau flohen Max und Bertha am 18.2.1939 ebenfalls nach Venlo. Sie lebten in der Puteanusstraße 10.
Max, Bertha und Johanna Moses wurden auf den Tag genau ein Jahr vor Hugo Moses am 14. September 1942 vom „Durchgangslager“ Westerbork aus nach Auschwitz deportiert. Bertha und Johanna Moses wurden nach der Ankunft sofort für den Tod in der Gaskammer bestimmt und starben am 17.09.1942, während die SS Max Moses für den „Arbeitseinsatz“ selektierte. Er starb noch im gleichen Jahr in Blechhammer, einem Außenlager von Auschwitz.
Quellen:
Bundesarchiv, Gedenkbuch.
Yad Vashem, Datenbank.
Joods Monument, Datenbank.
Adressbuch Dinslaken 1935.
Literatur:
Aschenbach, Sepp: Steine der Erinnerung. Der jüdische Friedhof in Dinslaken. Dinslaken 2006.
Johannsen, Peter: Kinderarzt Karl Leven. Berlin 2005.
Prior, Anne: „Wo die Juden geblieben sind, ist […] nicht bekannt.“ Essen 2010.
Mitteilungen:
Schriftliche Mitteilung Gedenkstätte Dachau.
Schriftliche Mitteilung Haus der Geschichte Essen.
https://www.stolpersteine-dinslaken-ev.de/?q=node/4